Hauptbereich
Moor-, Klima- und Artenschutz
Stadt Neustadt, Fachbehörden, Landschaftspflegeverband VöF und landwirtschaftlicher Betrieb ziehen an einem Strang
Zwischen Neustadt und Abensberg erstreckten sich in der Donauniederung ausgedehnte Niedermoorgebiete, die vor mehr als 3.000 Jahren entstanden. Das Heiligenstädter Moos ist ein Rest dieser ehemaligen Niedermoorlandschaft, in der noch in den 1960er Jahren Moor gestochen wurde. Es ist heute durch ein kleinräumiges Mosaik aus Intensivwiesen, Feucht- und Streuwiesen, Gräben, Teichen, Röhrichten sowie Gebüschen und Auwaldresten gekennzeichnet, das Rückzugs- und Lebensraum für viele seltene Pflanzen- und Tierarten ist wie zum Beispiel die Prachtnelke oder eine Vielzahl an Vögeln und Libellen. Inzwischen werden größere Teile der Wiesen extensiv genutzt. Zudem tritt in einigen Teilbereichen der Biber als „Landschaftsgestalter“ auf. Dies führt nicht nur zu einer Verbesserung der hydrologischen Situation aus Sicht des Moor- und damit Klimaschutzes, andererseits ergeben sich dadurch aber auch Probleme bei der Bewirtschaftung der Flächen.
Der sogenannte „Pflege- und Entwicklungsplan“ für das Landschaftsschutzgebiet Heiligenstädter Moos wurde 2022 auf Anregung des Landschaftspflegeverbandes VöF im Rahmen des Donautal-Projektes vor dem Hintergrund der Wasserstandsveränderungen aktualisiert. Die Fachplanung empfiehlt, die Strukturvielfalt beizubehalten, um damit auch die Artenvielfalt zu sichern. Gleichzeit wächst die Bedeutung des Moorschutzes vor dem Hintergrund des Klimawandels. 15 cm intakter Moorkörper bindet so viel Kohlendioxid wie ein 100-jähriger Waldbestand.
Wie kann man nun Biberaktivitäten, Arten- und Biotopschutz, Moor- und Klimaschutz und eine angepasste Nutzung der Flächen unter einen Hut bekommen?
„Mit Unterstützung des Amtes für Ländliche Entwicklung konnten wir in kurzer Zeit ein ökologisches Flurneuordnungsverfahren einleiten, für das ca. 1 Million Euro bereitgestellt wurden und sich die Stadt mit ca. 100.000 € beteiligt. Damit waren und sind die Voraussetzungen gegeben, gezielt Flächen für den Moor- und Artenschutz anzukaufen. Zudem hatten wir das Glück, dass wir mit der Familie Necker einen landwirtschaftlichen Betrieb in unmittelbarer Nähe haben, der sich bereit erklärte, eine Form der Beweidung in den Feucht- und Nassflächen durchzuführen, die von den Fachbehörden mitgetragen wird. Unser Ziel ist es als klimabewusste Stadt, praktischen Moor- und Artenschutz umzusetzen und gleichzeitig diese besondere historische Kulturlandschaft für Einheimische und auch Gäste zu sichern“, so Erster Bürgermeister Thomas Memmel.
Knapp 5 ha zusammenhängende Flächen werden von der neu gegründeten Teilnehmergemeinschaft und dem Zweckverband Bad Gögging für die Beweidung bereitgestellt. „Über eine spezielle Förderung durch den Bayerischen Naturschutzfonds konnten die Zäunung, das Herrichten der Flächen und das Wasserstandsmanagement gefördert werden, so dass die Rahmenbedingungen für die naturschutzorientierte Beweidung gegeben sind. Nach einem intensiven Abstimmungsprozess mit den Naturschutz- und Landwirtschaftsbehörden sowie mit dem landwirtschaftlichen Betrieb können wir nun mit der Beweidung starten“, so Klaus Amann vom Landschaftspflegeverband Kelheim VöF.
Die Futterqualität auf den Weideflächen, die vor allem von Sauergräsern dominiert werden, ist gering. Die Wasserstände im Moos wechseln manchmal in kurzer Zeit. Wird es zu nass, brauchen die Tiere trockene Rückzugsbereiche. „Die Tiergesundheit und ein praktikables, flexibles Herdenmanagement sind für uns natürlich wichtige Faktoren. Mit den Schottischen Hochlandrindern haben wir eine Rinderrasse, die vergleichsweise gut mit derartigen Bedingungen umgehen kann. Da unser Hof gleich in der Nähe ist, können wir sehr schnell reagieren. Wir sind hier im engen Austausch mit den Fachstellen und dem VöF“, so Landwirt Michael Necker.
Es ist ein spannendes Projekt und wird es bleiben. Nehmen die Rinder die Weideflächen an? Wie entwickelt sich der Pflanzenbestand? Welche Effekte hat die Beweidung bei unterschiedlichen Wasserständen? „Auch wir als Fachbehörden blicken mit großem Interesse auf dieses Pilotprojekt, da es noch wenige Erfahrungswerte gibt. Nach wie vor besteht die Möglichkeit, dass über das Amt für Ländliche Entwicklung Flächen angekauft und getauscht werden können“, so Dr. Christian Thurmaier vom Amt für Ländlichen Entwicklung Niederbayern. Interessierte können sich einfach bei der Stadtverwaltung Neustadt melden.
Beteiligte Fachbehörden:
- Amt für Ländliche Entwicklung Niederbayern
- Regierung von Niederbayern, Höhere Naturschutzbehörde
- Landkreis Kelheim, Untere Naturschutzbehörde
- Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Abensberg-Landshut
Förderstellen:
- Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
- Bayerischer Naturschutzfonds
Projektkoordination:
- Landschaftspflegeverband Kelheim VöF e.V.





